Wenn das Äerdschëff auf Autarkia trifft: auf dem Weg zu Earthship-Gemeinschaften der nächsten Generation
Kürzlich hatte die Präsidentin von Äerdschëff asbl die Gelegenheit zu einem geführten Besuch und vertieften Austausch mit den Mitgliedern der Schweizer Initiative Autarkia. Diese junge Organisation denkt das Earthship-Konzept neu und entwickelt es zu zeitgemäßen, komfortablen und gemeinschaftlich organisierten Lebensräumen, die auf Autarkie und Permakultur basieren, weiter.
Der Verein Autarkia, gegründet im November 2024 im Kanton Thurgau, verfolgt ein ambitioniertes Ziel: den Aufbau autarker Gemeinschaften, in denen Wohnen, regenerative Landwirtschaft, erneuerbare Energien und gemeinschaftliche Governance zusammengedacht werden. Ausgangspunkt ist das Earthship-Prinzip, das in den 1970er-Jahren vom US-amerikanischen Architekten Michael Reynolds entwickelt wurde und nun an aktuelle soziale, ökologische und technologische Herausforderungen angepasst wird.
Vom einzelnen Earthship zur lebendigen Gemeinschaft
Der Ansatz von Autarkia geht bewusst über das einzelne autarke Gebäude hinaus. Geplant ist, mehrere Earthships auf einem gemeinsamen Grundstück zu vernetzen, ergänzt durch Permakultur-Gärten, die zur Selbstversorgung beitragen und das gemeinschaftliche Leben stärken. Die Gebäude, errichtet aus mit Erde gefüllten Altreifen und weiteren Naturmaterialien, sind als vollwertige Wohnorte konzipiert – komfortabel, dauerhaft und tatsächlich bewohnt, nicht nur als experimentelle Demonstrationsbauten.
Besonderer Wert wird zudem auf die Gestaltung und Aufenthaltsqualität gelegt. Durch den gezielten Einsatz unterschiedlicher Naturmaterialien im Innen- und Außenbereich sollen sowohl das ästhetische Erscheinungsbild als auch das Wohlbefinden der Bewohnerinnen und Bewohner deutlich verbessert werden. Damit entwirft AUTARKIA eine zeitgemäße Weiterentwicklung der Earthship-Architektur.
Geteilte Governance und verantwortungsvolle Technologien
Ein besonders innovativer Aspekt des Autarkia-Projekts ist sein Governance-Modell. Die Organisation der Gemeinschaften soll über eine dezentrale autonome Organisation (DAO) auf Basis der Blockchain-Technologie erfolgen. Dieses Modell zielt auf Transparenz, Mitbestimmung und kollektive Verantwortung ab und ermöglicht eine gemeinschaftliche Verwaltung von Ressourcen, Eigentum und Entscheidungsprozessen.
Die Verbindung von Low-Tech-Architektur, Permakultur, erneuerbaren Energien und verantwortungsvoll eingesetzten digitalen Werkzeugen knüpft direkt an die Überlegungen an, die auch im Äerdschëff rund um ökologische Bifurkation, Suffizienz und neue Formen des Zusammenlebens angestellt werden.
Gemeinsame Visionen im Dialog
Die Begegnung zwischen Äerdschëff und Autarkiamacht deutlich, dass sich europaweit ein Netzwerk pionierhafter Initiativen entwickelt, die konkrete Alternativen zu konventionellen Wohn- und Gesellschaftsmodellen erproben. Trotz unterschiedlicher lokaler Kontexte teilen diese Projekte zentrale Fragestellungen: Autonomie, Resilienz, soziale Gerechtigkeit und gemeinschaftliche Organisation.
Wir freuen uns über diesen ersten vielversprechenden Austausch, der Perspektiven für zukünftige Zusammenarbeit, Wissenstransfer und gegenseitige Inspiration eröffnet. Solche internationalen Dialoge bestärken uns in der Überzeugung, dass ein anderes Verhältnis zu Wohnen, Gemeinschaft und Natur nicht nur notwendig, sondern bereits im Entstehen ist.