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Wenn der Karbikes-Test eine kollektive Reflexion über VLI auslöst

Am 17. Dezember 2025 veranstaltete das Kultur- und Geschichtshaus „A Gadder“ in Belvaux ein Experten-Bürger-Forum zum Thema nachhaltige Mobilität. Die von Äerdschëff asbl organisierte Veranstaltung brachte Bürger, Vereine, Experten und lokale Akteure zusammen, um eine zentrale Frage für die Zukunft Luxemburgs zu diskutieren:

Wie können wir nützliche, attraktive und wirklich geeignete leichte Fahrzeuge für die Region entwickeln?

Im Laufe des Tages konnten rund fünfzehn Personen, darunter Stadtrat Steve Gierenz aus der Gemeinde Suessem, die Karbikes testen und waren beeindruckt von ihnen. Es handelt sich um elektrisch unterstützte Quadricycles mit einer Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h, die mit Radwegen kompatibel sind und nach Low-Tech- und Energiesparprinzipien konstruiert wurden.

Die Tests bestätigten ein hohes Akzeptanzpotenzial.

Das Feedback, das im Anschluss an die Tests mittels eines Fragebogens gesammelt wurde, zeigte eine hohe allgemeine Zufriedenheit. Die Tester des Karbikes beschrieben es als beruhigend, zugänglich und überraschend intuitiv zu bedienen, selbst für diejenigen, die sich zunächst nicht als Radfahrer gesehen hatten.

Eine positive Resonanz auf die Erwartungen und den täglichen Mobilitätsbedarf, bequeme Sitze, gute Sicht und ein Gefühl der Stabilität wurden im Feedback häufig genannt. Mehrere Teilnehmende betonten, dass der Wetterschutz ihre Wahrnehmung von aktiver Mobilität deutlich verändert habe und diese auch bei schlechtem Wetter – einem häufigen Hindernis für herkömmliche Fahrräder in Luxemburg – zu einer praktikablen Option mache.

Die Testfahrten ermöglichten es zudem, das Karbike auf verschiedenen Strecken zu erproben, von verkehrsarmen Stadtgebieten bis hin zu Nebenstraßen und Parkmanövern. Diese vielfältigen Einsatzmöglichkeiten bestärkten die Annahme, dass sich das Fahrzeug an sehr unterschiedliche Kontexte anpassen lässt.

Klare Beispiele für alltägliche Nutzung

Die Antworten im Fragebogen zeigen, dass das Karbike für verschiedene Arten von täglichen Fahrten geeignet ist. Lokale Fahrten, Freizeitaktivitäten, bestimmte leichte berufliche Nutzungen und Kurzstreckenlieferungen erwiesen sich als plausible Anwendungsfälle. Mehrere Befragte erwähnten auch das Potenzial für multimodale Fahrten, insbesondere für die „letzte Meile“.

Die Mehrheit ist der Ansicht, dass dieses Fahrzeug den tatsächlichen täglichen Mobilitätsbedarf decken kann, sofern es ausreichend unterstützt wird. Das Karbike wird daher nicht als Nischenprodukt, sondern als ein Zwischenprodukt gesehen, das die Lücke zwischen Radfahren und Autofahren schließen kann.

Empfehlung, aber unter klaren Bedingungen

Die Teilnehmenden befürworten im Allgemeinen die Weiterempfehlung des Karbike an Freunde oder Familie, oft jedoch mit einer gewissen Zurückhaltung: „Ja, wahrscheinlich“, anstatt uneingeschränkter Begeisterung. Diese Vorsicht zeugt von einem realistischen Blick auf die Einsatzbedingungen.

Die Bürgerinnen und Bürger hoben mehrere zentrale Erwartungen hervor. Die Reichweite und das Batteriemanagement bleiben insbesondere bei längeren Fahrten ein wichtiges Thema. Einige betonten die Notwendigkeit einer Lernkurve, um die Funktionsweise des Fahrzeugs vollständig zu verstehen und es optimal zu nutzen. Diese Ergebnisse bestätigen, dass die Akzeptanz ebenso stark von Schulungen wie von der Technologie selbst abhängt.

Aus wirtschaftlicher Sicht wird die Idee eines Leasingvertrags inklusive Wartung und Reparaturen positiv aufgenommen. Ein Großteil der Befragten plant mit einem moderaten monatlichen Budget, was die Attraktivität von Modellen, die von Kommunen, Schulen oder öffentlichen Einrichtungen gefördert werden, gegenüber dem systematischen individuellen Kauf unterstreicht.


Das Fahrzeug allein genügt nicht: hin zu einem lokalen Ökosystem

Diese Kommentare spiegeln die Diskussionen des Runden Tisches im Rahmen des Forums wider. Die Teilnehmenden – aus den Bereichen Radfahren, Unternehmertum und Mobilität – betonten, dass Karbikes in erster Linie ein Ausgangspunkt für weiterführende Überlegungen ist.

Die Diskussionen verdeutlichten einen starken Konsens: Die Entwicklung von leichten Nutzfahrzeugen kann ohne ein strukturiertes lokales Ökosystem, das eine klare Infrastruktur, zugängliche Dienstleistungen und eine Kultur nachhaltiger Mobilität vereint, nicht gelingen. Reparierbarkeit, lokale Verfügbarkeit von Ersatzteilen und die Fähigkeit der Kommunen, die Wartung intern durchzuführen, erwiesen sich als Schlüsselfaktoren für Nachhaltigkeit.

In diesem Kontext entstand die Idee eines interkommunalen Zentrums für leichte Nutzfahrzeuge als Strukturierungsansatz. Ein solches Zentrum würde Tests, Schulungen, Reparaturen, Support und die Dokumentation der Nutzung ermöglichen und gleichzeitig die schrittweise Akzeptanz durch Bürger und Institutionen fördern.

Ein grundlegender erster Schritt

Die Karbike-Tests und die Antworten auf die Fragebögen zeigen, dass echtes Interesse besteht, aber auch, dass der Wandel nicht durch ein Wunderprodukt oder einen einfachen Technologiewechsel erreicht werden kann. Es braucht Zeit, Lernen, Vertrauen und gemeinschaftliche Organisation.

Dieses Experten-Bürger-Forum markiert somit einen grundlegenden ersten Schritt im Transformationsprogramm „Lët’z do it – Imagination powered“. Die nächsten Schritte umfassen die weitere Auswertung des Nutzerfeedbacks, die Stärkung lokaler Partnerschaften und die Umsetzung dieses gesammelten Wissens in konkrete Experimente in der gesamten Region.

Nachhaltige Mobilität lässt sich nicht verordnen. Sie entsteht im menschlichen Maßstab durch Ausprobieren, Dialog und den Einsatz von Vorstellungskraft.

📩 Interesse an der Teilnahme an der nächsten Projektphase oder am Testen eines Karbikes in den kommenden Phasen?

Kontakt: team@aerdscheff.lu

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